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Der Wein
Es gibt Weine, deren Geschichte das Glas ebenso erhellt wie die Landschaft. Der Brunello di Montalcino Riserva 2016 von Biondi-Santi trägt diese pionierhafte Erinnerung in sich und lässt zugleich den Sangiovese mit präziser Ausdruckskraft sprechen: schwarze Kirsche, getrocknetes Veilchen, mediterrane Kräuter und lebendige Frische. Ich empfehle ihn allen, die kräftige Rotweine lieben, die mit Aufmerksamkeit und Geduld genossen werden wollen.
In Montalcino in der Toskana ist Biondi-Santi eng mit der Entstehung des Brunello verbunden. 1865 hatte Clemente Santi die Idee, einen Rotwein allein aus Sangiovese zu erzeugen. Sein Enkel Ferruccio Biondi Santi führte diese Vision weiter, indem er in Montalcino einen ausschließlich dieser Rebsorte gewidmeten Weinberg anlegte. Ein 1932 veröffentlichter Bericht des Landwirtschaftsministeriums über den toskanischen Weinbau erkannte die Familie als Schöpferin des ersten Brunello an. Diese Geschichte ist keine bloße Kulisse: Sie erinnert daran, wie eng hier die Identität des Weins und die seines Ortes miteinander verbunden sind.
Diese Riserva wird ausschließlich aus Trauben hergestellt, die aus den eigenen Weinbergen des Weinguts stammen, und zwar von den ältesten Parzellen der Tenuta Greppo. Die Gärung findet in stehenden Tanks aus slawonischer Eiche statt, mit in den Weinbergen ausgewählten einheimischen Hefen. Anschließend reift der Wein drei Jahre in Fässern aus slawonischer Eiche. Ich finde diese Kontinuität zwischen Lage, Rebsorte und Ausbau besonders sprechend: Der Sangiovese bleibt im Mittelpunkt, während die Zeit im Holz seine Struktur begleitet, ohne die Erzählung vom Terroir zu verdrängen.
Die Farbe wird in den verfügbaren Notizen nicht beschrieben; ich verzichte deshalb darauf, ihr eine erfundene Farbe oder Intensität zuzuschreiben. In der Nase hingegen entfaltet der Wein ein detailliertes Bouquet: schwarze Kirsche und getrocknetes Veilchen, dann balsamische Noten und mediterrane Kräuter. Das Menthol verleiht eine frische Empfindung, während das patinierte Leder und eine dezente Note von Feuerstein zusätzliche Tiefe hinzufügen. Am Gaumen sind die Tannine fest und noch jung. Eine lebendige Frische bringt diese Substanz ins Gleichgewicht, und der anhaltende Abgang verlängert die Aromen, ohne ihre Klarheit zu verlieren. Der Jahrgang 2016 gilt als besonders geeignet für eine lange Lagerung: Man sollte seine Jugend nicht mit mangelnder Verheißung verwechseln.
Ich würde diesen Brunello zu einem Gericht servieren, das genug Substanz hat, um seinen Tanninen standzuhalten: ein geschmorter Fleischgang, ein Lamm mit Kräutern oder eine Zubereitung mit Pilzen, ohne eine allzu süße Sauce oder überladene Würzung. Es ist außerdem eine Flasche, die man öffnet, wenn du dir Zeit nehmen möchtest, immer wieder zum Glas zurückkehrst und ihre Entwicklung verfolgst. Trinkst du sie jung, gib ihr Luft und begleite sie mit einem ruhigen Essen; entscheidest du dich, sie aufzubewahren, liegt ihr Reifepotenzial im Zentrum ihres Reizes. In beiden Fällen schmeckst du einen Sangiovese, dessen Geschichte weit vor diesem Jahrgang beginnt.
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